heise online

NASA-Mondmission Artemis-1: SLS-Probebetankung trotz neuer Lecks erfolgreich

Martin Holland

2022-09-22T11:08:00+02:00

Die riesige Mondrakete SLS konnte am Mittwoch erfolgreich betankt werden. Damit ist die wichtigste Voraussetzung für einen weiteren Startversuch gegeben.

Obwohl beim Betanken der Riesenrakete SLS am Mittwoch erneut Lecks aufgetreten sind, konnte der Test erfolgreich abgeschlossen und die vier Hauptziele der Prozedur erreicht werden. Das teilte die NASA mit und erklärte, dass die gesammelten Daten jetzt ausgewertet würden. Erst dann könne man sich daran machen, einen möglichen dritten Startversuch der Mondmission Artemis-1 vorzubereiten. Dafür steht noch eine wichtige Erlaubnis aus. Der Betankungstest war angesetzt worden, nachdem die ersten zwei Startversuche aus unterschiedlichen Gründen abgebrochen werden mussten, bevor sich das jeweilige Startfenster überhaupt geöffnet hatte.

Ganz ohne Lecks klappt es nicht

Bei dem mehrstündigen Testlauf am Mittwoch wurden die riesigen Tanks des Space Launch Systems mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff befüllt. Dabei sollte nicht nur ermittelt werden, ob ein zuvor entdecktes Leck wirklich abgedichtet wurde. Außerdem war die Betankungsprozedur abgeändert worden, um das Risiko neuer Lecks zu verringern. Das sollte genauso geprüft werden wie die nötige Kühlung der Triebwerke sowie ein Druckabgleich. Zwar wurde dann erneut ein Leck entdeckt, aber das war klein genug, um trotzdem fortfahren zu können und schließlich verschwand es wieder. "Ich denke, der Test ist richtig gut gelaufen", fasste Charlie Blackwell-Thompson von der NASA das danach zusammen.

Sollte bei der Auswertung der Daten nichts gefunden werden, was dagegen spricht und das Wetter weiter mitspielen, könnte die NASA am kommenden Dienstag einmal mehr versuchen, die Riesenrakete zu starten. Nötig ist dafür aber auch, dass die zuständige Aufsicht für Raketenstarts das wichtige System für einen automatischen Abbruch des Starts im Fall eines schwerwiegenden Problems freigibt. Eigentlich ist es nur für 25 Tage zertifiziert, danach muss die Rakete zurück ins Vehicle Assembly Building. Einen Ausweichtermin gibt es noch am 2. Oktober.

Mit Artemis-1 will die NASA ihr Mondprogramm Artemis beginnen, die noch nie gestartete SLS soll dabei die Raumkapsel Orion zum Mond schießen. Diesen soll die Kapsel dann für mehrere Wochen umkreisen, bevor sie zur Erde zurückkehrt. Damit will die US-Weltraumagentur die Technik testen, mit der in wenigen Jahren wieder Menschen zum Mond gebracht werden sollen – diesmal aber nicht nur für kurze Besuche.

Bereits auf Artemis-2 sollen Menschen um den Mond kreisen, und nach einem unbemannten Test der Mondlandefähre soll die Crew von Artemis-3 sogar schon landen. Das ist für Mitte des Jahrzehnts geplant. Danach soll eine ständige Präsenz auf dem Mond aufgebaut werden. An dem ambitionierten Zeitplan gibt es allerdings große Zweifel.

(mho)